Bau-, Land- und Sondermaschinen

MAN-Motoren für Baumaschinen, Landmaschinen und Sondermaschinen

Spezielle MAN-Motoren-Konfiguration für Luftkissenboote

Innovatives Antriebssystem für britische Hovercrafts mit MAN-Zwölfzylinder

Solent Flyer

Mit Griffon Hoverwork vertraut einer der führenden Hersteller von Luftkissenfahrzeugen auf MAN Motoren. Im April 2016 stellte der britische Hersteller zwei neue Modelle für den Fährbetrieb Hovertravel fertig. Die Amphibienfahrzeuge „Solent Flyer“ und „Island Flyer“ des Typs 12000TD begannen Anfang des Sommers 2016 die 30-Jahre alten Fahrzeuge des Typs AP-188 schrittweise abzulösen. Die etwas in die Jahre gekommenen Modelle waren, wie bei herkömmlichen Hovercrafts üblich, mit vier Motoren ausgestattet. Dank des innovativen neuen Antriebs genügen den Luftkissenbooten vom Typ 12000TD lediglich zwei Aggregate, was eine potentielle Kraftstoffersparnis von einem Drittel ermöglicht. Mit der kraftvollen und effizienten Doppelmotorenanlage aus zwei MAN D2862 LE124 stehen den Hovercrafts trotzdem 1.586 kW (2.158 PS) zur Verfügung, die eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Knoten (92,6 km/h) ermöglichen.

Antriebsstrang der Hovercrafts Solent Flyer und Island Flyer.

Die kraftvollen Zwölfzylinder im Herzen der Luftkissenboote glänzen jedoch nicht nur mit hoher Leistung. Der Antrieb wurde speziell für diese Anwendung konfiguriert und perfektioniert. So arbeiteten im internationalen Motorenkompetenzzentrum von MAN in Nürnberg die Entwicklungsabteilungen aus den Marktsegmenten Marine und Off-Road zusammen an dem Projekt. Sie entwickelten Modifikationen für den Motor, um den Herausforderungen der Hovercrafts gerecht zu werden. „Mit den D2862 LE124 haben wir bewusst Landtechnik-Motoren gewählt, da diese leichter sind und mittels Radiatorkühlung gekühlt werden. Das ist wichtig, da die Hovercrafts nicht in direkten Kontakt mit dem Wasser kommen und die für Marine-Motoren typische Wasserkühlung somit nicht möglich ist. Neben verschiedenen kleineren Modifikationen ist das Besondere an den Aggregaten, die eigentlich an Land zum Einsatz kommen, dass sie die MARPOL Abgasrichtlinien für die Schifffahrt einhalten“, sagt Andrew Mellard, Geschäftsführer von MAN Engines & Components in Großbritannien. Dieses zusätzliche Abgaszertifikat benötigen die Motoren der Hovercrafts, da sie in Großbritannien auf See als Passagierfähren zum Einsatz kommen. Der Fährbetrieb Hovertravel Ltd ist der erste, der Luftkissenboote dieser Art kommerziell mit Erfolg nutzt. Die Modelle, die zukünftig abgelöst werden sollen, überquerten den Solent im Südwesten Großbritanniens über 70-mal am Tag und befördern sowohl Pendler als auch Touristen über die Meerenge.

Konzipiert und hergestellt wurden die neuen Amphibienfahrzeuge für den Fährbetrieb von der Schwesterfirma Griffon Hoverwork. Durch das neue Antriebskonzept für die Solent Flyer und Island Flyer konnte ein erhebliches Einsparpotential an Kraftstoff erschlossen werden. Die Modelle 12000TD begannen im Sommer 2016 schrittweise in Betrieb zu gehen und befördern seitdem die Passagiere komfortabler und vor allem wesentlich effizienter von Portsmouth zur Isle of Wight. Bei einer Fahrt über die Meerenge passen 88 Personen, inklusive der Crew, auf das Luftkissenboot, somit bietet der Hovercraft die dreifache Kapazität eines durchschnittlichen Stadtbusses.

Technische Daten des D2862 LE124
Leistung 793 kW (1.079 PS)
Hubraum 24,24 L
Zylinder (Anordnung) 12 (V)
Trockengewicht 1959 kg
Nenn-Drehzahl 1800 min-1
Minimaler spezifischer Kraftstoffverbrauch 199 g/kWh [1500]
Verdichtungsverhältnis 19:1

Erhebliche Kraftstoffeinsparungen

Mit 793 kW (1.079 PS) Leistung bei 1.800 Umdrehungen pro Minute - die die Motoren aus je 24,24 L Hubraum schöpfen - stellen die Boliden genug Power zur Verfügung, um das Luftkissenboot auf Geschwindigkeiten bis zu 50 Knoten (92,6 km/h) zu beschleunigen. Damit benötigen die Wassertaxis für die Überfahrt lediglich zehn Minuten. Anders als bei den Vorgängermodellen sind Solent Flyer und Island Flyer mit nur zwei Motoren ausgestattet, frühere Ausführungen benötigten insgesamt vier. Davon waren je zwei Aggregate für den Auftrieb und zwei für die horizontale Beschleunigung im Einsatz. Bei den neuen Modellen wurden diese beiden Funktionen kombiniert, so dass die zwei Zwölfzylinder sowohl für Auf- als auch für Vortrieb sorgen. Durch diesen innovativen Antrieb haben die 12000TD Hovercrafts das Potential ein Drittel weniger Diesel als vergleichbare Luftkissenboote zu verbrauchen. Die neuen Anlagen sparen durch ihr modernisiertes Konzept jedoch nicht nur bares Geld, sondern verbessern auch den Komfort an Bord des Hovercrafts: „Die sehr kraftstoffeffizienten und laufruhigen Motoren tragen einen erheblichen Teil zum angenehmen Aufenthalt der Passagiere bei“, so Mark Downer, Chief Engineer bei Griffon Hoverwork, „Außerdem haben wir den Lärmpegel in der Kabine durch größere Propeller gesenkt. Diese können - bei geringerer Drehzahl gegenüber den Vorgängern – die gleiche Wirkleistung liefern“, erklärt der Chief Engineer.

Herausforderung Hovercraft

Die Herausforderungen bei der Konstruktion eines Luftkissenbootes beginnen allerdings bereits bei der Geometrie und Auslegung des Schwerpunkts. Ein Gebilde mit der Grundfläche von 22,4 mal zehn Meter, also der Größe eines Tennisplatzes, zum Schweben zu bringen, erfordert ausgereifte Techniken: Der Rumpf des Fahrzeugs ist mit einer Schürze aus speziellen Verbundstoffen ausgestattet. Durch das Gebläse entsteht unter dem Hovercraft ein Luftkissen, wodurch das Fahrzeug zu schweben beginnt. Eineinhalb Meter über dem Boden kann das Amphibienfahrzeug dann mittels der Propeller am Heck fortbewegt werden. Angetrieben werden die Propellerwellen und die E-Motoren zum Betrieb der Hubgebläse durch die MAN-Zwölfzylinder. Die Motoren sind dabei so tief wie möglich eingebaut, um einen idealen Schwerpunkt zu generieren.

Vielseitiger Alleskönner

Neben dem Einsatz als Passagierfähre finden Hovercrafts bereits in vielen anderen Bereichen Anwendung. So nutzen unter anderem der Grenzschutz, die Küstenwache und die Katastrophenhilfe die Amphibienfahrzeuge. Das herausragende der Luftkissenboote ist, dass sie auf nahezu jedem Untergrund eingesetzt werden können. Das bietet speziell in Entwicklungsländern mit schlechter Infrastruktur erhebliche Vorteile. Für die Betreiber von Hovertravel Ltd. sind die Eigenschaften der Luftkissenboote ebenfalls Gold wert: Sie sind dadurch unabhängig von den Gezeiten und können auch bei Ebbe bis zu den nächsten Busverbindungen fahren und den Passagieren so weite Fußmärsche ersparen. Für Schiffe hingegen ist es Unmöglich diese Bereiche anzufahren.

Endlich unterwegs: Seit Sommer 2016 befördern Solent Flyer und Island Flyer Passagiere über den Solent.

Der D2862 im Maschinenraum des Hovercrafts.

Der MAN D2862 LE124 wird eigentlich in der Landtechnik eingesetzt. Für Griffon Hovercraft erfüllt er nun die aktuellen Abgasnormen für Marineanwendungen.