Motoren für die Berufsschifffahrt

MAN-Motoren für die Berufsschifffahrt

Lachsfischen in Alaska

MAN-Motoren treiben die Boote an, mit denen innerhalb von vier Wochen 37 Millionen Lachse gefischt werden.

Fünf brandneue Fischerboote machen sich auf den Weg zur Bristol Bay

Für 2015 wird in der Bristol Bay, Alaska, die größte Rotlachswanderung seit 20 Jahren vorausgesagt. 54 Millionen Fische wollen ihre Geburtsstätten in den fünf großen Zuflüssen der Bucht erreichen, um dort ihre Eier abzulegen und die nächste Generation auf den Weg zu bringen. Doch vorher müssen sie an 1.800 Fischerbooten vorbei, deren Betreiber seit Generationen jedes Jahr auf die weltweit größte Laichwanderung von Wildlachsen warten. Über einen Zeitraum von vier Wochen wird ihnen vom Alaska Department of Fish and Game erlaubt fast 70 Prozent der ankommenden Fische aus dem Wasser zu holen. Was sie dazu brauchen ist Erfahrung, eine gute Crew und eine verlässliche Maschine. Denn die Bedingungen sind rau an den Küsten vor der Wildnis Alaskas – und das liegt nicht nur am Seegang. Die Konkurrenz ist groß in den genauestens abgesteckten Fischgründen, in denen die Boote eng nebeneinander manövrieren und um die besten Plätze kämpfen.

Ein Schlüsselfaktor für die Fischer liegt in der Verlässlichkeit ihrer Boote. Es zählt jeder Tag, jede Minute, in denen sie ihre Netze auswerfen dürfen. Um diese Zeit so gut wie möglich nutzbar zu machen, rüstet der Schiffbauer Mavrik Marine seine speziell fürs Alaska Fishing ausgelegten Gilnetter seit 2014 mit einem 730 PS starkem Dieselmotor von MAN aus. Allein die Tatsache, dass nur ein Antriebsmotor verwendet wird, bietet vor allem eines: mehr Kapazität für den gefangenen Lachs. Üblicherweise wurden bisher zwei Motoren eingebaut, was aber durch die Verwendung des extrem verlässlichen Aggregats nicht mehr nötig ist. Durch die kompakte Bauweise und das geringe Gewicht des Reihensechszylinders MAN R6-730 wird dieser Effekt noch verstärkt. Das bedeutet praktisch, dass die Boote mehr Ladung aufnehmen können, bevor sie zum nächsten Versorgungsschiff (Tender) fahren müssen, um abzuladen. Die dadurch eingesparte Zeit können die Fischer dann nutzen, um noch mehr Lachs an Bord zu ziehen.

Eine hohe Leistung und die Fähigkeit auf engstem Raum zu manövrieren machen die Fischerboote aus.

Auf dem Weg vom Tender und zurück kommt die Flexibilität des Motors zum Vorschein. Das Arbeitsboot ist so ausgelegt, dass es ungeladen über das Wasser gleitet, während es auf dem Rückweg vollbeladen wie ein Schlepper agiert. Dabei ist der Motor so konstruiert, dass er über einen weiten Drehzahlbereich ein konstant hohes Drehmoment bietet. Genau diese Eigenschaft weiß Pete Bjazevich, der seit über 40 Jahren in der Berufsfischerei tätig ist, zu schätzen. Auf die Frage, worauf er bei einem Bootsmotor sonst noch Wert legt, antwortet er: „Ich brauche einen Motor, der sich einfach warten lässt, der effizient ist und möglichst ruhig läuft.“

Um Wartungsarbeiten am trocken und vibrationsarm gelagerten Motor durchzuführen, wurde darauf geachtet, dass genug Platz zur Verfügung steht. Hier kommen der Besatzung erneut die kompakten Maße (Länge/Breite/Höhe 1.634x910x1.079 mm) des MAN-Motors zugute. Effizienz und Laufruhe werden derweil durch das von MAN verbaute Common-Rail Einspritzsystem der zweiten Generation gewährleistet. Die Zylinder bekommen immer genau so viel Diesel, wie sie gerade zur Verbrennung benötigen. Das steigert nicht nur die Effizienz, sondern macht die Beschleunigung merklich lebhafter. Das Boot spricht also schneller auf Geschwindigkeitsänderungen an, was ein großer Vorteil in der Bristol Bay ist: Der Bereich in dem gefischt werden darf, ist auf ein kleines Stück vor den Flussmündungen begrenzt, in dem sich die Fischerboote tummeln. Die besten Plätze sind dabei direkt an den Grenzen zur Bucht hinaus, die von den Beamten der Alaska Wildlife Troopers bewacht werden. Um die Netze hier auszulegen, brauchen die geschickten Kapitäne ein Boot, das schnell reagiert.

Der Motorraum mit MAN R6-730 bietet genügend Platz für Wartungsarbeiten

Die erreichte Beweglichkeit trägt auch zur Sicherheit bei. Wo so viele Boote nebeneinander fahren, kann man sich schon mal in die Quere kommen. Um Zusammenstöße zu vermeiden, gilt es schnell zu reagieren, denn das einzige, was den Fischern noch wichtiger ist als der Lachs, ist das Wohlergehen der Crew.

Für diese wird das Boot während der vier Wochen in der abgeschiedenen Ecke Alaskas zu einer Art zweitem Zuhause. Hier trotzen sie den Elementen und dem 10° Celsius kaltem Wasser. Auch wenn die Arbeit hart ist, so haben sich die Arbeitsbedingungen auf den Booten durch die neuen Motoren von MAN doch verbessert. Das Dieselnageln gehört der Vergangenheit an, Vibrationen und Lärm konnten auf ein Minimum reduziert werden. Durch die saubere Verbrennung vom Start an verschwindet auch der typische Abgasgeruch des Diesels.

Doch nicht nur der Geruch ist verschwunden, die Abgase sind insgesamt so sauber wie nie zuvor. Mit einer Reduktion von Stickoxiden (NOx) um 20% und einer Reduktion von Feinstaubpartikeln (PM) um 40% erfüllt der Motor die Anforderungen der seit 2014 gültigen Abgasnorm für Arbeitsboote EPA Tier 3. Dies wurde reinweg mit innermotorischen Maßnahmen und ohne Abgasrückführung oder Abgasnachbehandlung erreicht. Trotz der Verbesserungen im Bereich der Emissionen verbrauchen die Motoren auch unter Volllast nur unwesentlich mehr Kraftstoff als vorher. Um genau zu sein, bietet der Motor, während er im niedrigsten spezifischen Kraftstoffverbrauch läuft, gleichzeitig ein maximales Drehmoment und erzielt den niedrigsten Punkt für Verschleiß. Diese Art optimalen Betriebspunkt zeichnen die Marinemotoren von MAN aus, die dem Bootseigner einen wirtschaftlicheren und effizienteren Antrieb ermöglichen. Damit tragen die Motoren von MAN ihren Teil dazu bei, die Natur in diesem fast noch unberührten Stück Erde zu erhalten. Während die Lachsbestände überall sonst auf der Welt immer kleiner werden, findet in Bristol Bay weiterhin die größte Wanderung von Königslachsen statt. Das liegt nicht zuletzt am unbelasteten Wasser, das sich direkt auf die gefangenen Fische auswirkt. Lachs ist ein gesundes und nachhaltiges Nahrungsmittel, das die Ökonomie und Ökologie der Region bestimmt. Damit das so bleibt, legen die Fischer größten Wert auf Qualität und Umweltbewusstsein.

Das Common Rail System stammt aus der On-Road-Technik und hat sich millionenfach bewährt

Bei dem Common Rail System handelt es sich um eine Einspritztechnologie, bei der unabhängig von der Drehzahl des Motors ein konstant hoher Einspritzdruck zur Verfügung gestellt wird. Mit einer Hochdruckpumpe können bis zu 1.800 bar Druck erzeugt werden, der über eine gemeinsame Verteilerleiste (engl. „Common Rail“) für jede Einspritzdüse verfügbar ist. Je höher der Druck, desto feiner erfolgt die Zerstäubung des Kraftstoffes im Zylinder, was die Verbrennung optimiert und den Motor insgesamt effizienter macht. Zudem wird die Einspritzung elektronisch gesteuert, so dass mehrere Einspritzungen pro Verbrennungstakt möglich werden. Das macht die Verbrennung gleichmäßiger, wodurch der Motor runder läuft und weniger Feinstaubpartikel freigesetzt werden. Durch die Entkopplung von Druckerzeugung und Einspritzung über den gesamten Drehzahlverlauf stehen auch bei niedrigen Drehzahlen hohe Einspritzdrücke zur Verfügung.

MAN ist aktuell der einzige Hersteller von Reihensechszylinder-Dieselmotoren für Marineanwendungen, der auf modernste Common Rail Systeme setzt – und das schon seit 2004.

Gillnetter PB32 - Propboat

Technische Daten
Schiffstyp Gillnetter
Bezeichnung PB32 – Propboat
Werft Mavrik Marine
Länge 9,75 m
Breite 4,37 m
Tiefgang 0,89 m
Verdrängung 10,2 t
max. Ladung Fisch 8,16 t
Treibstofftank 1.438 l
Besatzung 4
Getriebe ZF360
Propeller SS 30” Conventional Prop
Motor
Bezeichnung MAN R6-730
Zylinder und Anordnung 6-Zylinder, Reihe
Arbeitsweise 4-Takt Dieselmotor, wassergekühlt
Aufladung Abgas-Turbolader mit Ladeluftkühler
Ladedruckregelung mit Wastegate
Ventile 4 pro Zylinder
Einspritzsystem Common Rail Direkteinspritzung mit EDC
Motorschmierung geschlossenes System mit Druckschmierung, Kühlung und Filter
Kühler Wärmetauscher mit Motor- und Seewasserkreislauf
Motorkontrolle Elektronische Einspritzkontrolle (EDC)
elektronische Motorüberwachung inklusive Diagnoseeinheit
Motorkenndaten
Hubraum 12,82 l
max. Leistung 537 kW (730 PS)
Nenndrehzahl 2.300 min-1
max. Drehmoment 2.450 Nm
im Drehzahlbereich 1.200-2.100 min-1