MAN-Feldversuchsmotor im Bodensee-Katamaran

MAN-Motoren für die Berufsschiffahrt

MAN-Feldversuchsmotoren im Bodensee-Katamaran liefern erste Ergebnisse über Verbrauch und Zuverlässigkeit

Katamaran Constanze

Die Katamaran-Reederei am Bodensee entscheidet sich erneut für MAN-Motoren. Die Tochtergesellschaft der Stadtwerke Konstanz und der Technischen Werke Friedrichshafen setzt aufgrund seiner neuesten Technologien auf den MAN D2676 LE432 mit sechs Zylindern und 412 kW (560 PS). Der Reihensechszylindermotor ist speziell für die Arbeitsschifffahrt konstruiert und liefert im Feldversuch im öffentlichen Fährbetrieb mit dem Katamaran Constanze top Ergebnisse: Erhebliche Dieseleinsparungen und vor allem Zuverlässigkeit sind die entscheidenden Gründe für den Einsatz der MAN-Motoren im Öffentlichen Personennahverkehr, den die Katamarane am Bodensee bedienen.

Zwei MAN D2676 verrichten seit einem Jahr ihre Dienste als Herzstück der Constanze auf dem Bodensee.

Ende 2015 stellte MAN Engines den D2676 für Arbeitsschiffe in den USA als Neuheit vor. Bereits seit Mai 2015 laufen zwei Feldversuchsmotoren auf dem Bodensee im Katamaran Constanze und liefern nach einem Jahr hervorragende Ergebnisse. Trotz deutlich verkleinertem Hubvolumen im Vergleich zu dem Vorgänger blieben die Performance und die Dynamik gleichbleibend gut. Die erhebliche Kraftstoffeinsparung resultiert unter anderem aus dem modernen Motorenkonzept und der kleineren Zylinderzahl. Durch einen Technologiesprung in der Verbrauchsoptimierung und durch höhere Mitteldrücke dank Common-Rail Einspritzung konnten die Ingenieure aus dem Motorenkompetenzzentrum von MAN in Nürnberg die Kraftstoffeffizienz erhöhen. Er liegt jetzt im Bestpunkt bei lediglich 188 g/kWh. Der Katamaran Constanze benötigt mit dem D2676 elf Prozent weniger Diesel als mit dem Vorgängerantrieb. „Neben dem neuen Motor haben wir noch weitere Projekte realisiert, um Kraftstoff einzusparen. Trotz der Reduzierung des Schiffswiderstands, der Ausgestaltung der Abströmung und der Überarbeitung des Ruders können wir davon ausgehen, dass auf den Motor ein Großteil der Ersparnisse zurückzuführen ist“, sagt Christoph Witte, Geschäftsführer der Katamaran-Reederei. Durch eine veränderte Route konnten bereits im letzten Jahr über 15 Prozent eingespart werden. Sie ermöglichte geringere Höchstgeschwindigkeiten auf dem See bei gleichbleibendem Fahrplan. „Der kürzeste Weg, um zwei Punkte zu verbinden, ist bekanntlich eine Gerade, an welche wir uns mit der neuen Route etwas mehr angenähert haben," so Witte. Jetzt genügt den Katamaranen eine Geschwindigkeit von 17,3 Knoten (32 km/h) statt 21,6 Knoten (40 km/h), um im 60-Minutentakt den See zu überqueren. Durch die geringere Geschwindigkeit verbrauchen die Katamarane nochmals weniger Diesel.

Um fehlende Zeitreserven macht sich der Geschäftsführer ebenfalls keine Sorgen: „Wir dürfen und können mit den neuen Motoren nach wie vor 21,6 Seemeilen pro Stunde fahren. Somit ist es möglich, eine Verspätung von acht Minuten aufzuholen; das bedeutet, die Katamarane erreichen immer pünktlich ihr Ziel“, so Witte.

Zuverlässigkeit ist das oberste Gebot

Christoph Witte, Geschäftsführer der Katamaran Reederei freut sich über elf Prozent Kraftstoffeinsparung auf dem Katamaran Constanze. Die neuen MAN-Motoren sind dabei der wichtigste Faktor. © Katamaran-Reederei Bodensee GmbH & Co. KG.

Da die Verkehrsmittel der Katamaran-Rederei am Bodensee immer mehr im öffentlichen Personennahverkehr zum Einsatz kommen, ist die Zuverlässigkeit der Motoren sehr wichtig. „Wir können einen Ausfall des Motors nicht verantworten. Mit den Katamaranen sind viele Pendler unterwegs, die pünktlich an ihre Arbeitsstelle gelangen müssen“, erklärt Witte. „Eine hohe technische Verfügbarkeit der Fahrzeuge ist dafür die entscheidende Voraussetzung. Hier hilft uns die hohe Zuverlässigkeit der Aggregate von MAN sehr. Wir erreichen so einen Pünktlichkeitswert, der für öffentliche Personennahverkehrsbetriebe herausragend ist“, so der Geschäftsführer schmunzelnd. Um diesen Ruf aufrecht zu erhalten, sei die Zuverlässigkeit der MAN-Motoren der wichtigste Faktor. Andere wesentliche Vorteile des Motors seien die kompakten Einbaumaße und die Agilität, welche laut Witte sehr gut zu den Katamaranen passe. Die Entwickler der MAN-Motoren sind sich dessen auch bewusst: „Der D2676 nimmt durch modernste Common-Rail Einspritzungstechnik sehr schnell Gas an und reagiert sofort“, so Stefan Löser, Projektleiter für den D2676 Marinemotor. Zudem sei der Motor auch sehr wirtschaftlich. Die Vorteile hat Christoph Witte im Laufe der Feldversuche schnell erkannt: „Mir als Geschäftsführer sind die Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit natürlich extrem wichtig. Unsere Kunden, die sich auf die Pünktlichkeit der Katamarane verlassen, sollen nicht enttäuscht werden. MAN hat für uns einfach ein gutes Produkt auf den Markt gebracht," so der Geschäftsführer.

Seriennummer Eins kommt auf dem Bodensee zum Einsatz

Der Serienmotor, der bald in der Constanze eingesetzt werden soll, ist nicht irgendeiner. Nach dem Ablauf des zweiten Feldversuchs erhält die Katamaran-Reederei am Bodensee den allerersten Serien-D2676 für Marineanwendungen in dieser Leistungsklasse, der vom Band der Nürnberger Fertigungsstraße läuft. Somit ist der Motor, der auf dem Bodensee zum Einsatz kommt, nicht nur durch seine spezielle Konfiguration für Arbeitsschiffanwendungen etwas Besonderes. „Der D2676 ist ein moderner und zukunftssicherer Motor, der speziell für Arbeitsschiffe modifiziert wurde. Seine Zuverlässigkeit und Ausgereiftheit fußt auf Grundmotorkomponenten, die sich in vielen Millionen Kilometer in Lkw-Anwendungen bewährt haben“, sagt Projektleiter Löser.

Kompetenter Partner

Auf Grund der guten Zusammenarbeit verlängerten die Geschäftspartner den im Mai 2015 gestarteten Feldversuch um ein weiteres Jahr. Nach dem erreichten ersten Ziel von 3.000 gelaufenen Stunden soll der Motor nun insgesamt 10.000 Stunden getestet werden. „Es ist eine Partnerschaft, von der beide Parteien profitieren“, sagt Witte. Der Geschäftsführer freue sich daher auch auf eine gute Zusammenarbeit in der Zukunft.

Spezifischer Kraftstoffverbrauch des D2676 LE432 (Volllast- & Propellerkurve).
Verbrauchsentwicklung der Constanze: Nach dem Anlauf der neuen Motoren D2676 sank der Verbrauch im Jahresmittelwert um elf Prozent. © Katamaran-Reederei Bodensee GmbH & Co. KG.