Motoren für die Berufsschifffahrt

MAN-Motoren für die Berufsschiffahrt

MAN Engines legt Grundstein für umweltfreundlichen Antrieb

© MAN Rollo BV

Nach über einem Jahr erfolgreichem Betrieb der MS Helgoland Ende 2016 zog ein Zulieferer Resümee. MAN Engines trug seinen Teil zu dem modernen Antrieb des Seebäderschiffs bei und lieferte an MAN Rollo drei leistungsstarke Zwölfzylinder-Gas-Motoren. Aus den MAN E3262 LE222 entstanden bei dem niederländischen Partner damit drei 480 ekW starke Generatorsets, die auch im LNG-Antriebskonzept (Liquid-Natural-Gas) der MS Helgoland eine tragende Rolle spielen. Der Launch der umweltfreundlichen und innovativen Fähre war gegen Ende des Jahres 2015.

Die MS Helgoland ist das erste neue Schiff mit einem LNG-Antrieb. © MAN Rollo BV

MAN Rollo lieferte die Generatorsets an die Fassmer-Werft im norddeutschen Berne. Dort wurde die Fähre MS Helgoland für die Reederei Cassen Eils gebaut. Als umweltfreundliche Alternative pendelt nun seit über einem Jahr das Passagierschiff zwischen Cuxhaven und der Hochseeinsel Helgoland. Die 83 Meter-Fähre kann 1060 Passagiere unterbringen und ist streng nach den Richtlinien der Blauen Engel-Umweltstandards gebaut. Das ist auch ein Grund dafür, dass sich die MS Helgoland als erster Neubau in Deutschland LNG-betriebenes Schiff nennen darf.

Die Temperatur im Vorratstank beträgt bei dieser Technologie minus 162 bis minus 130 Grad Celsius. Bei diesen Temperaturen verflüssigt sich das Erdgas. Dabei verringert sich das Volumen des Treibstoffs auf ein Sechshundertstel. Erst kurz vor dem Verbrauch, beim Eintritt in die Gasregelstrecke, wird das verflüssigte Gas wieder auf circa 30 Grad Celsius erwärmt und somit zurück in den gasförmigen Aggregatszustand gebracht. Die bemerkenswerteste Eigenschaft des modernen Antriebssystems ist die erhebliche Reduzierung der Schadstoffemissionen. Konkret bedeutet das: Rußpartikel werden größtenteils beseitigt und NOx- sowie CO2-Emissionen werden bedeutsam reduziert.

Die innovative Passagierfähre mit Kreuzfahrtschiff-Charakter wurde für rund 30,5 Millionen Euro gebaut und von der Europäischen Union aufgrund des umweltfreundlichen Erdgasantriebs mit 4,175 Millionen Euro bezuschusst. Neu sind für die Rederei Cassen Eils allerdings nicht nur der Antrieb, sondern auch die Möglichkeiten, die das neue Schiff mit sich bringt. Mit einem eigenen Schiffskran kann die MS Helgoland zusätzlich zu den Passagieren bis zu zehn Zehn-Fußcontainer Fracht laden und transportieren.

Eines der drei Generatorsets wird filigran an seine Wirkungsstätte gebracht. - Bild mit freundlicher Genehmigung von Peter Andryszak.

“Unsere Generatorsets werden in erster Linie als Bordaggregate eingesetzt, können jedoch auch in Form einer Leistungssteigerung dem Hauptantrieb zugeschalten werden“, sagt MAN Rollo Sales Manager Schuurman. „Wir haben uns beim Bau der Generatorsets bewusst für einen von MAN Engines entwickelten Motor entschieden. Der MAN E3262 LE222 reihte sich perfekt in die Umweltvorgaben des Kunden ein. Die Motoren sind auf der Basis eines Magerbrennverfahrens entwickelt worden und werden zu 100 Prozent mit Gas betrieben. Zudem entsprechen die Generatorsets den Anforderungen der Klassifikationsgesellschaft DNV-GL“, so der Sales Manager weiter. Die 480 ekW starken MAN Bordaggregate spielen somit nicht nur als Stromquelle, sondern auch im Bezug zum modernen Antriebssystem eine entscheidende Rolle.

Die Antriebsanlage besteht neben den Bordaggregaten hauptsächlich aus zwei Dual-Fuel-Motoren mit je 1.664 kW (2.262 PS). Die Aggregate treiben getrennt voneinander je einen Propeller und einen Wellengenerator an. Die Generatoren liefern entweder je 350 kW, die zur zusätzlichen Stromversorgung genutzt werden können oder sie fungieren als zusätzlicher Antrieb zur Unterstützung der Dual-Fuel-Motoren. Durch diese Alternativen, die der Fähre zur Verfügung stehen, kann sich die MS Helgoland auf unterschiedliche Antriebsmöglichkeiten verlassen. Der Dual-Fuel-Antrieb kann zum einen als Gas- oder Dieselantrieb über die Getriebe direkt die Propellerwellen ansteuern und zum anderen durch die Wellengeneratorleistung oder einen Anteil der MAN-Gasbordaggregate noch höhere Leistungen abrufen. Der MS Helgoland stehen somit insgesamt rund 5.000 kW (rund 6.800 PS) Antriebsleistung zur Verfügung. Das Zwei-Propellerschiff ist damit gut genug gerüstet, um dauerhaft Geschwindigkeiten bis zu 21 Knoten (37 km/h) halten zu können. Die Bordaggregate versorgen das Schiff zusätzlich noch mit dem notwendigen Bordstrom für beispielsweise Küche, Hotelbetrieb, nautische und technische Instrumente und Geräte sowie LED-Beleuchtung und Querstrahlruder.

Erfolgreiches erstes Jahr

In Form der Generatorsets von MAN Rollo trugen somit auch die MAN-Motoren einen entscheidenden Teil zu einem überaus erfolgreichen ersten Jahr der MS Helgoland bei. Vor allem das herausragende Lastverhalten der MAN E3262 LE222 sei laut Schuurman für den Kunden entscheidend gewesen und werde es auch in Zukunft bleiben.